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Geplante Schulschließungen als Subventionsprogramm des öffentlichen Nahverkehrs

Das von der SPD geführte Kultusministerium kündigte Pläne an, wonach ab dem  Schuljahr 2014/2015 neue, höhere Mindestschülerzahlen für die Grundschulen im ganzen Land gelten sollen. Mindestens 60 Schüler benötigen dann die Schulen, um einer Schließung zu entgehen. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind davon landesweit mehr als 70 Grundschulstandorte bedroht. Eine saftige Ohrfeige für Wähler der SPD. Denn die hat noch in Ihrem Landtagswahlkampf 2011 versprochen, dass keine einzige Schule im Land gestrichen wird.
Mit den Schließungen verspricht sich die Landesregierung, Geld einzusparen. Dass aber keineswegs Kosten gespart werden, sondern nur die Kosten auf die Eltern verlagert werden, erläutern die folgenden Zeilen.

Das Land will die Kosten für die Bildung unserer Kinder auf die Eltern abwälzen

Nach dem Artikel der Volksstimme „Kleine Klassen sind teuer“ will ich ein paar Fakten ins Gespräch bringen.
Das Land will 200 Lehrkräfte einsparen und die Folgekosten für die Anfahrtswege der Schüler teilweise auf die Eltern abwälzen. Eine Schule mit 50 Schülern muss schließen, 50 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren werden Pendler wie die Eltern. Frühhorte und Busunternehmer geleiten das Kind im Land der Frühaufsteher zum Zielort.

Die Lebensmittelpunkte der Kinder verlagern sich auf Nachbargemeinden.

Eltern wandern ab. Die Kosten pro Kind 2,20,- € x 2 x 22 Tage mal die 50 Kinder werden zwar auf Antrag unterstützt, aber mit 100,- € Selbstbeteiligung der Eltern. – Ein gigantisches Subventionsprogramm für Busunternehmen entsteht. Der Subventionsumfang bei 82 Schulen und im Mittel 50 Kinder beläuft sich auf 4,79 Mio. € pro Jahr für die Busindustrie.
Davon sollen mit einer jährlichen Selbstbeteiligung der Eltern (falls sie denn den Antrag stellen), 410.000 € aus der Vorsorgeverpflichtung des Staates in die Verantwortung der Eltern gelegt werden.
200 Lehrkräfte kosten sicher mehr als 82 neue Busse, aber die kann man dann ja entweder aus dem Land treiben, oder mit der Grundsicherung ausstatten. Wenn wir jetzt die Grundsicherung der 200 Lehrer (ca. 800.- € / Monat) mit den Subventionen für die Busunternehmen verbinden, wird die öffentliche Hand mit weiteren 1,9 Mio. € an zusätzlichen Kosten des Abbaus der Infrastruktur in ländlichen Gebieten belastet.
Nimmt man diese 6,8 Mio. € und teilt sie nach ca. Personalkosten der Lehrer auf (ca. 3000,- € Brutto) kann man davon 188 Arbeitsplätze erhalten. Der reale einspartechnische Bedarf an den Grundschulen beträgt also genau 12 Lehrkräfte. Dafür werden aber 4100 Kinder jeden Tag spazieren gefahren. Alles andere sind Luftbuchungen. Wieder will uns die Politik für dumm verkaufen, und Steuergelder als Subventionen verteilen. Zu Lasten unserer Kinder, dem wirklichen Potenzial in Sachsen-Anhalt.
Für 12 Arbeitsplätze nimmt die Regierung billigend in Kauf, dass Landstriche immer mehr altern werden. Es macht den Eindruck, dass eine sich selbst bestätigende Prophezeiung propagiert und per Gesetz festgeschrieben wird.

Wenn die Schule stirbt, stirbt auch das Dorf.

Familien wandern ab und neue werden sicher nicht zuziehen. Vereine werden sich mangels Mitglieder auflösen. Auch der Nachwuchs fehlt. Doch wer bleibt?
Unsere Rentner und ein paar Servicekräfte.
Sachsen-Anhalt ist in der Fläche mit der Infrastruktur zur Kindesbetreuung vorbildlich, besser als jedes andere Bundesland. Dieses jetzt für fragwürdige Ziele zu zerstören ist verwerflich.

Danke, „Große Koalition“, sie haben ihre Unfähigkeit bewiesen!

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung veröffentlichte zu diesem Thema weitere Informationen. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kommt auf ein beschämendes Ergebnis zu den Rechenkünsten unseres Finanzministers, und zieht das Fazit: „Der Finanzminister sollte selbst noch einmal die Schulbank in einer Grundschule für einige Mathematikstunden drücken.“

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